Chartanalyse lernen

autor
Konrad Speckmaier

Aktualisiert: 25.03.2026

Wie Du zuvor schon gelesen hast, gehören einige Grundprinzipien und Grundregeln dazu. Das Allerwichtigste ist hier aber die Übung! Bekanntlich macht Übung ja den Meister. Aus diesem Grund habe ich hier für Dich einige interaktive Übungen, damit Du das ganze Gelernte festigen und gleich umsetzen kannst.

Die Chartanalyse ist für mich im Trading ein sehr wichtiges Tool und es kann Dir im kurzfristigen Handeln und sogar im langfristigen Investieren helfen. Das ist wie eine neue Sprache lernen, irgendwann verstehst Du die grünen und roten Balken. Aber jetzt starten wir einmal mit einem Aufwärtstrend und einem Abwärtstrend:

1. Chartanalyse

Chartanalyse ist ein Begriff, der auch technische Analyse genannt wird. Das Ganze verfolgt die Idee, anhand von verschiedenen Faktoren im Chart zu erkennen, wie sich der Markt in der Zukunft wahrscheinlich bewegen könnte. Dabei wird oftmals auf verschiedene Zonen oder auch auf wiederholende Muster und Kerzenformationen geachtet. Neben den ganzen „professionellen“ Akteuren sind auch noch Millionen wie Du und ich am Chart und wir sehen, wenn wir einen Chart aufmachen, immer den gleichen Chart.

Mein Workflow sieht jedes Mal, wenn ich an den Chart komme, wie folgt aus: Als Erstes verschaffe ich mir in einer großen Zeiteinheit einen Überblick über den aktuellen Trend. Welche Marken sind aktuell im übergeordneten Chart interessant und markant? Dann suche ich nach markanten Zonen als Unterstützung und Widerstand in der kleineren Zeiteinheit. Diese lassen sich auch aus den größeren Zeiteinheiten ableiten. Danach überlege ich mir, unter welchen Voraussetzungen ich in den Markt einsteigen und welche Formationen oder Muster ich sehen wollen würde. Dadurch, dass ich einen Tradingplan habe, der in meinem Fall den Stop-Loss regelt und auch den Take Profit, setze ich meinen Stopp immer 20–30 Punkte entfernt von meinem Einstieg.

Wichtig:

Aber auch das ist keine Glaskugel und wir liegen nicht immer richtig! Das was wichtig ist, ist , dass wir öfter richtig liegen als falsch bzw. dass wir mehr Gewinne erwirtschaften als Verluste. Da spielen die Gewinnrate und der durchschnittliche Gewinn eine Rolle, um nur zwei zu nennen. Aber zu den ganzen Mechanismen und den unterschiedlichen Methoden kommen wir noch.

Trends sind für uns Trader ein sehr markantes und wichtiges Instrument. Es gibt einmal den Abwärtstrend, den Aufwärtstrend und den Seitwärtstrend oder auch Range genannt. Ein Trend lässt sich an den Hoch- und Tiefpunkten definieren. Das heißt, ein Aufwärtstrend liegt vor, wenn es steigende Hochs und steigende Tiefs gibt, und ein Abwärtstrend bei fallenden Tiefs und fallenden Hochs.

Nicht vergessen:

Einer der bekanntesten und auch besten Sprüche ist: „The trend is your friend“. Das lässt sich darauf zurückführen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Trendfortsetzung immer größer ist als die der Trendumkehr. Solange der Kurs in dem Trend läuft, ist es auch sinnvoll und ratsam, Trades in Richtung des Trends zu suchen. Jetzt kannst Du gleich mal zeigen, ob Du den Trend siehst.

Hier eine kleine interaktive Übung zu den Trends: 

3. Zonen

Ein wichtiges Element im Trading stellen horizontale Preisbereiche dar, auch genannt Unterstützungszonen und Widerstandszonen. Diese helfen uns dabei, wichtige und markante Preisniveaus im Chart zu erkennen. Diese werden oftmals erneut angelaufen, und es ergibt sich eine Reaktion. Das hilft uns im Trading, Szenarien zu planen und auch wichtige Ein- und Ausstiegspunkte zu finden. Das Ganze kann Dir am Anfang auch helfen, Dein Risiko besser zu managen aber dazu kommen wir auch noch detaillierter.

Sehr wichtige Kursmarken sind in meinen Augen markante Verlaufstiefs oder auch Verlaufshochs, offene Kurslücken (Gaps), runde Marken und das Fibonacci-Retracement-Level. An diesen Marken kommt es oftmals zu Reaktionen. Aus diesem Grund fungieren sie eben als Unterstützung und Widerstand. Hier zeige ich Dir mal, was Widerstand und Unterstützung sein kann.

Unterstützung Praxisbeispiel
Widerstand Praxisbeispiel

Tipps von mir:

Die 2 wichtigen Zonen (das macht einen Großteil in meinem Handel aus)

Unterstützungszonen: Diese entstehen meist, indem der Preis ein bestimmtes Niveau oder einen Preisbereich öfter angelaufen hat, diesen nicht unterschritten hat und dann im weiteren Verlauf wieder nach oben läuft. Als Beispiel: Wenn der Markt immer wieder an die 150-Euro-Marke läuft und dort nicht nach unten durchkommt und dann wieder nach oben läuft, spricht man von einer Unterstützung.

Widerstandszone: Das Ganze bildet sich ähnlich wie oben. Nur ist es hier so: Sollte der Kurs in der Vergangenheit öfter einen Preisbereich angelaufen haben und Probleme gehabt haben, diesen zu überschreiten und höher zu kommen, spricht man von einer Widerstandszone. Sprich, wenn der Kurs immer wieder an einem Preisbereich abgelehnt wird, spricht man von einem Widerstand.

Gut zu wissen ist noch: Wenn ein Markt eine Widerstandszone überschreitet, wird diese zu einer Unterstützung. Und auch umgekehrt: Unterschreitet der Kurs eine Unterstützung, wird diese zu einem Widerstand.

Dieser Wechsel, den ich gerade angesprochen habe, ist in meinen Augen eines der wichtigsten Konzepte im Trading. Um auch das, was im Hintergrund passiert, zu verstehen: An solchen markanten Zonen sind oftmals viele Kauf- bzw. Verkaufsorders angesiedelt. Diese bewegen den Kurs, und sollte ein großer Marktteilnehmer nicht unter oder über eine Zone wollen, verteidigt er diese und somit entstehen Zonen.

Übungen zu Zonen:

Wo siehst Du hier die Zonen? Tipp: Achte immer auf markante Hoch- und Tiefpunkte im Chart, die sich auf einem Level befinden.

4. Chartformationen

Chartformationen sind sich wiederholende Muster im Chart. Diese bestehen meist aus mehreren Kerzen und können uns helfen, einige Hinweise auf mögliche künftige Kursbewegungen zu geben. Chartformationen helfen mir auch in meinem Handel, Entscheidungen zu treffen. Denn es gibt hier Chartformationen, die eine Trendumkehr andeuten oder auch eine Bestätigung des aktuellen Trends zeigen können.

Chartformationen brauchen in der Regel etwas Zeit, bis sie sich bilden. Sie sind eben eine Formation der Kerzen. Hier habe ich Dir mal einige der wichtigsten Chartformationen mitgebracht, diese solltest du Dir einmal einprägen:

Das Ganze mag jetzt erst einmal nach viel aussehen, das Wichtigste ist hier aber auch einfach Screentime. Umso öfter Du solche Formationen siehst und auch danach suchst, umso leichter findest Du diese. Das ist wie bei allem anderen auch! Umso öfter wir etwas machen, umso besser werden wir.

Aber auch hier ist es so, dass keine Formation eine 100-Prozent-Trefferquote bietet. Aber Du wirst ein Gefühl bekommen, dass verschiedene Formationen in verschiedenen Marktphasen unterschiedliche Trefferquoten bringen und somit unterschiedlich gut funktionieren. Das heißt wie immer im Trading: Das Risikomanagement ist essenziell und sollte immer eingehalten werden.

Nicht vergessen:

Das Ganze kannst Du am besten in einem Demokonto oder bei manchen Software-Anbietern im Backtest üben. Hier kannst Du erst einmal die Screentime sammeln und Dir anschauen, wie und wo diese Formationen am besten funktionieren. Dann siehst Du auch, dass es einige Fehlsignale gibt und lernst besser, mit den Verlusten umzugehen und das, ohne etwas zu verlieren.

Übungen zu Chartformationen:

Fangen wir hier schon mal mit dem Üben an. Was siehst Du hier für Chartformationen? In welche Richtung könnte es gehen? Tipp: Es ist nur eine Formation pro Übung.

5. Candlestick-Muster

Kerzenmuster sind Muster, die aus 2–5 Kerzen bestehen und können auch als technische Objekte eingestuft werden. Diese bilden sich mit 2–5 Kerzen sehr schnell, im Minutenchart dauert das dann 5 Minuten bei 5 Kerzen. Im Gegensatz zu den Formationen, die wir gerade durchgesprochen haben, sind diese sehr kurz. Trotz dieser kurzen Zeit sind diese Muster oftmals sehr aussagekräftig und können wichtige Hinweise über die nächsten Preisbewegungen im Chart geben.

Es gibt eine wirklich sehr große Anzahl an verschiedenen Kerzenformationen. Ich will das Ganze aber vereinfachen und Dir die 10 Stück zeigen, die in meinen Augen die wichtigsten sind. Der ganze Rest kann Nice-to-know sein, das sind aber meist nur Erweiterungen der Grundmuster.

Doch bevor wir uns diese Formationen anschauen, ist es wichtig, dass Du einmal den Aufbau der Kerze verstanden hast. Jede Kerze enthält Käufer und Verkäufer und die Richtung, die stärker ist, färbt auch meist die Kerze und bestimmt die Richtung. Dann gibt es bei Kerzen noch Dochte und Lunten, aber das erkläre ich Dir in einem weiteren Beitrag. Nun zu den 10 wichtigsten Grundmustern.

Nicht vergessen:

Es gibt für jedes Muster immer zwei Seiten, eine bullische und eine bearische. So gibt es beispielsweise das bullische Engulfing, was auf steigende Kurse hindeutet und das bearish Engulfing, was auf fallende Kurse hindeutet. Meist sind die Muster nur umgedreht oder haben genau die andere Reihenfolge.

Chartmuster-Übungen:

Wo erkennst Du hier ein Chartmuster, welches ist es und in welche Richtung könnte es denn weitergehen? Tipp: Du findest in einer Übung mehrere Muster.

6. Trading-Indikatoren

Indikatoren sind eigentlich nur mathematische Formeln, die mit Kursdaten aus der Vergangenheit versorgt werden und Dir somit etwas anzeigen können. Es ist eigentlich gängig, dass für die Berechnungen der Schlusskurs der Kerze genutzt wird, wir warten diesen ja auch ab.

Indikatoren können Dir eine Hilfestellung geben, sind aber auch kein Wundermittel. Der wichtige Punkt, den du wissen solltest: Indikatoren nehmen die Schlusskurse der Kerzen aus der Vergangenheit, somit sind sie etwas zeitverzögert. Halte es so simpel wie möglich und benutze nicht zu viele Indikatoren. Du willst deinen Chart nicht überladen und Dir nicht zu viele Signale geben, die vielleicht gar nicht zusammenpassen. Ich habe hier auch einmal die bekanntesten Indikatoren.

Die bekanntesten Indikatoren:

Gleitende Durchschnitte (Moving Average): Er hilft Dir dabei, Trends zu erkennen und ist eine Art dynamischer Widerstand bzw. Unterstützung. Das Ganze entsteht, da ein Durchschnitt der letzten x Kurse gebildet wird. Das Ganze könntest Du im Chart schon mal gesehen haben, das ist oftmals die Linie, die im Chart mitläuft.

RSI-Indikator: Das Ganze kann dazu dienen, Kauf- und mögliche Verkaufssignale zu identifizieren. Er wird Dir unter dem Chart angezeigt und hat eine Skala von 0–100. In dem Bereich unter 30 wird das als Kaufsignal gesehen, während in dem Bereich ab 70 das Ganze als Verkaufssignal gesehen wird.

MACD-Indikator: Das Ganze soll auch Kauf- und Verkaufssignale anzeigen. Das Ganze besteht aus zwei Linien, einer „MACD-Linie“ und einer „Signal-Linie“. Beim Kreuzen der Linien wird dann ein Signal generiert.

MACD Indikator Praxisbeispiel
Porsche RSi Indikator

Wichtig:

Das sind jetzt nur 3 von ganz vielen. Wichtig ist hier: Nimm Dir nicht zu viele Indikatoren mit rein, ansonsten vermischst Du viele Ideen und auch mögliche Zeithorizonte, und das Ganze spielt dann eher gegen Dich, anstatt dass es Dir hilft. Und du willst es Dir immer so simpel wie möglich machen, damit auch die anderen Marktteilnehmer die gleichen Ideen und Signale sehen könnten.

Übung zu den Indikatoren: Welche Indikatoren siehst Du im folgenden Chart abgebildet und für welche Richtung könnte das sprechen?

Die richtige Software

Um das Ganze auch zu lernen, brauchst Du natürlich auch eine Software. Dafür eignet sich einmal TradingView sehr gut, da Du hier sehr viele Indikatoren hast, einen guten Überblick bekommst und das Ganze auch gut testen kannst. Für die weiter Fortgeschrittenen besteht auch die Möglichkeit, sich eigene Indikatoren zu programmieren. Eine weitere gute Plattform ist das Demokonto von XTB. Hier kannst Du deine Analysen auch gleich umsetzen und versuchen, die Ideen zu handeln, ohne dass du etwas von dir riskieren musst. Hier einmal ein paar Einblicke in die Tradingview Software:

  • Einstellungen - Sprache

Vorteile Chartanalyse lernen

Funktioniert in allen Märkten

Besseres Marktverständnis

Langfristig wertvolle Fähigkeit

Klare Visualisierung von Marktbewegungen

Gutes Timing von Ein- und Ausstiegen

Grundlage vieler Strategien

Nachteile Chartanalyse lernen

Subjektivität

Keine Garantie für die Zukunft

News können alles zerstören

FAQ – Chartanalyse lernen

Funktioniert Chartanalyse zu 100%?

Nein. Im Trading gibt es nichts, das zu 100 % funktioniert. Jede Analyse basiert auf Wahrscheinlichkeiten, nicht auf Garantien.

Ziel der Chartanalyse ist es, Situationen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu erkennen und das Risiko klar zu begrenzen. Entscheidend ist daher nicht, immer richtig zu liegen, sondern Verluste klein und Gewinne größer zu halten.

Wie kann ich Chartanalyse am besten lernen?

Einen einzigen richtigen Weg gibt es nicht. Du kannst Fachbücher zur Charttechnik lesen, strukturierte Kurse besuchen oder mit Lernvideos arbeiten, beispielsweise auch auf YouTube.

Der wichtigste Faktor ist jedoch die Praxis. Märkte regelmäßig analysieren, Setups markieren und Trades nachbereiten. Denn wie das Sprichwort sagt: Übung macht den Meister.

Was ist das Wichtigste, das ich beim Traden beachten sollte?

Halte es so simpel wie möglich. Je mehr Indikatoren und Linien du in deinen Chart packst, desto mehr beeinflusst das deine Entscheidungen und das kann schnell zu Unsicherheit oder Fehlentscheidungen führen.

Arbeite mit klaren Zonen und Regeln. Wenn eine Marke keine Aussagekraft mehr hat, entferne sie wieder aus dem Chart. Ein sauberer, strukturierter Chart hilft dir, ruhiger und disziplinierter zu handeln.

Konrad Speckmaier
Konrad Speckmaier
Trading-Experte und Co-Founder von Marathoni
Konrad handelt täglich an der Börse und setzt sich intensiv mit diesem Thema auseinander. Sein Fokus liegt auf dem kurzfristigen Handel, bei dem er eine sehr einfache Strategie verfolgt.
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