Daytrader werden

autor
Konrad Speckmaier

Aktualisiert: 25.07.2026

Um das Daytraden zu lernen, absolviert man keine klassische Ausbildung. Es ist vielmehr Learning by Doing. Es gibt natürlich Ausbildungsangebote, aber nichts, was offiziell anerkannt oder zertifiziert ist. Es dauert jedoch oftmals so lange wie eine Ausbildung, um einen gewissen Stand zu erreichen. Ich erkläre Dir in meinem Beitrag, was Du wirklich brauchst und was auf Dich zukommt, damit Du ein guter Daytrader werden kannst.

Daytrader – Was ist das überhaupt?

Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Tageshändler“. Und das trifft es auch ganz gut. Ein Daytrader ist ein Händler, der Wertpapiere kurzfristig kauft oder verkauft und von Preisschwankungen profitiert. Die Positionen werden normalerweise am selben Tag eröffnet und auch geschlossen. Ich sage hier normalerweise, denn es gibt keine Definition, die sagt, wie lange ein Daytrader eine Position halten darf. Aber für Händler, die Positionen länger halten, gibt es andere Namen, wie zum Beispiel Swing Trader.

Wichtig:

Als Daytrader hast Du die Möglichkeit, viele verschiedene Assets zu handeln, wie Futures, CFDs auf Aktien, Devisen, Rohstoffe und auch Kryptowährungen. Bei Derivaten hast Du auch einen Hebel. Dieser bietet Dir die Möglichkeit weniger Eigenkapital für eine größere Position einzusetzen. Das erhöht Deine potenziellen Gewinne, doch auch Deine Verluste.

Gibt es eine Daytrading Ausbildung?

Nein, eine klassische Ausbildung zum Daytrader gibt es nicht. Du musst Dich hier selbst um Deinen Weg und die „Ausbildung“ kümmern. Der Vorteil ist, dass Du im Internet so viele Möglichkeiten findest, Dich weiterzubilden, um den Weg zu gehen. Auf Finanzseiten oder auch bei Brokern findest Du zusätzliche Informationen und auch Webinare und weitere Kurse zu diesem Thema.

Das Problem, das ich ganz oft schon gesehen und auch mitbekommen habe, ist die Erwartungshaltung von angehenden Tradern bzw. Daytradern. Viele denken, dass in ein paar Wochen die Grundlagen gelernt sind und anschließend das Geld verdient wird. Aber das ist so nicht richtig. Das Ganze dauert lange, ähnlich wie eine Ausbildung. Stell Dich somit eher auf Jahre ein, ich würde mal sagen so zwischen 2–4 Jahre. Der Rahmen ist so groß gesetzt, da manche schneller sind und andere etwas mehr Zeit benötigen.

Unbedingt beachten:

Ein seriöser Anbieter ist hier sehr wichtig und achte auch auf die Kosten, diese sollten nicht zu hoch sein. Oftmals wird für „exklusives“ Wissen sehr viel Geld verlangt, obwohl das Wissen nicht exklusiv ist und den schnellen Weg zum Reichtum findest Du damit nicht.

Der 10-Schritte-Plan, um ein guter Daytrader zu werden

Die Illusion, dass Du in wenigen Wochen ein Vermögen verdienst, muss ich Dir direkt nehmen. Das schnelle Geld wirst Du im Trading oder auch Daytrading nicht finden. Es ist sehr zeitaufwendig, wie gesagt, es ist wie eine normale Ausbildung und ist genauso harte Arbeit wie viele andere auch, wenn nicht sogar in manchen Aspekten härter. Ich habe Dir hier einen Plan erstellt, wie Du diesen Weg in 10 Schritten gehen kannst.

1. Deinen Daytrading Stil finden

Im Daytrading gibt es die Möglichkeit, zwischen drei verschiedenen Stilen zu unterscheiden. Hier hätten wir einmal das Scalping, das Intraday Trading und das Swing Trading. Beim Scalping handelt es sich um die kurzfristigste Form des Daytradings. Hier werden Positionen nur wenige Minuten gehalten. Hier wird versucht, von kleinen Kursbewegungen zu profitieren. Dadurch, dass die Strecke kleiner ist, gehen Scalper am Tag oftmals mehrere Positionen ein und/oder auch mit größeren Positionsgrößen.

Das Intraday Trading ist eine klassische Form des Daytradings. Hier kaufst und verkaufst Du eine Position innerhalb eines Tages. Der Vorteil hierbei ist es, dass die Kosten bei gehebelten Produkten über Nacht vermieden werden und auch das Risiko von Gaps reduziert wird, die durch Nachrichten außerhalb der Handelszeit entstehen können.

Unbedingt beachten:

Ob das Swing Trading überhaupt noch zum Daytrading gehört, ist Auslegungssache und eher umstritten. Hierbei eröffnet man eine Position und schließt diese oftmals erst Tage oder auch Wochen später. Hier wird versucht, von großen Bewegungen und auch Quartalszahlen oder Nachrichten zu profitieren.

2. Das Fachwissen

Wichtig ist hier, eine solide Basis zu haben und sich somit ein gutes Fachwissen anzueignen. Wenn Du Dir das nötige Fachwissen angeeignet hast, dann solltest Du das im Demokonto umsetzen und testen. Das Fachwissen benötigst Du für die Analyse, die einzelnen Produkte und auch Deine Strategie. Das Wissen findest Du durch verschiedene Quellen im Internet. Seien es YouTube, Bücher oder auch Webseiten wie meine. Ich persönlich setze meinen Fokus auf die technische Analyse. So würde ich auch vorgehen:

Unbedingt beachten:

Wenn Du die ganze Basis hast und Dich über alles, auch die Produkte, informiert hast, kannst Du ins Demokonto wechseln und versuchen, das Gelernte umzusetzen. Behandle das Demokonto wie ein Echtgeldkonto.

3. Das Demokonto

Im Trading spricht man oftmals davon, dass rund 20 % Wissen ist und 80 % Übung und Psychologie. Dass Wissen eine Grundvoraussetzung ist, sollte aber klar sein, aber ich schließe mich da auch an, ohne Übung wird das erste Wissen nichts bringen. Und einer der „schmerzhaftesten“ Fehler ist es, alles gleich im Echtgeldkonto zu üben. Du wirst am Anfang Geld verlieren, das gehört dazu und zwar auch mehr als Du verdienst, deswegen beginne im Demokonto, damit kannst Du lernen, ohne Dein Geld abzugeben.

Bei einem Demokonto handelt es sich um eine realistische Umgebung, die funktioniert wie ein Echtgeldkonto, nur eben mit „Spielgeld“. Ich persönlich würde für ein Demokonto zu XTB, VS-Markets oder auch IG Broker gehen.

Unbedingt beachten:

Ich selbst habe sehr lange im Demokonto geübt daher weiß ich wovon ich spreche. Ich bin dann zu früh ins Echtgeld gewechselt, was noch mal eine weitere Hürde für den Kopf war. Du stehst am Anfang und deswegen wirst Du viele Fehler machen, das ist normal und auch wichtig. Sorge jedoch dann dafür, dass Du hier kein Lehrgeld zahlst.

4. Eigene Regeln für das Daytrading

Ein weiteres Must-have für Trader sind feste Regeln. Sobald Trades nach Gefühl oder auch nach Stimmung eingegangen werden, gibt es dahinter kein System, das Dir vorgibt, wann Du einsteigst und auch aussteigst. Damit wirst Du früher oder später von den Finanzmärkten überrollt werden. Das Regelwerk schützt Dich auch davor, dass Du zu emotional wirst und Dich in Trades locken lässt. Das Schlimmste im Trading ist es, sobald Emotionen die Kontrolle übernehmen.

Dafür gibt es verschiedene Begriffe: Overtrading, Revenge Trading und viele mehr. Ist das der Fall, dann kann ich Dir versichern, wirst Du Dein Konto früher oder später auf 0 traden. Somit musst Du für Dich ein eigenes Regelwerk aufsetzen. Du kannst Dir Inspirationen von anderen holen, aber etwas eins zu eins zu übernehmen funktioniert nicht.

Für Dein Regelwerk kannst Du folgende Fragen nutzen, um die grundlegenden Fragen zu klären:

Welches Finanzprodukt und welche Anlageklassen willst Du handeln?
Nach welchen Kriterien eröffnest und schließt Du Trades?
Wie viel Risiko gehst Du pro Trade und allgemein ein?
Wie sieht Dein Risikomanagement allgemein aus?
Nach welchem Gewinn und welchem Verlust hörst Du für den Tag auf?

5. Eigene Daytrading Strategie entwickeln und testen

Sobald Du das persönliche Regelwerk (Deine Strategie) entwickelt hast, musst Du das Ganze testen und auch anpassen. Nur so kannst Du einmal testen, wie die Strategie funktioniert, ob diese überhaupt profitabel ist und was Du noch verbessern könntest. Zum Testen hast Du zwei Optionen: das Demokonto oder auch das Backtesting. Bei einem Demokonto gehst Du die Trades per Hand ein und übst diese aus.

Beim Backtesting nutzt Du die Daten aus der Vergangenheit, um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu testen. So kannst Du Dir vorstellen, Du startest im Jahr 2020 und setzt dort Deine Ideen in einer simulierten Umgebung um und kannst so Deine Strategie schneller über einen längeren Zeitraum testen. Das verschafft oftmals ein gutes Bild über die Profitabilität der Tradingstrategie.

Wichtig:

Gut ist es, wenn Deine Strategie in der Vergangenheit funktioniert, dann musst Du diese dennoch in der Gegenwart testen. Märkte können sich nämlich mit der Zeit verändern.

6. Tradingtagebuch (Journal) fürs Daytrading

Die meisten Trader werden Dir sagen, um besser zu werden, musst Du Deine Trades und Gedanken dazu auswerten und das machst Du mit einem Tradingtagebuch (Journal). Es mag am Anfang etwas komisch klingen, aber es ist der Schlüssel, um Fehler zu erkennen und diese auch auf Dauer zu verbessern. Du trägst hier jeden Trade in das Journal ein, dieses kannst Du dann durchgehen und aus den Gewinntrades lernen und auch aus Deinen Verlusttrades.

Wichtig:

Es gehören nicht nur der Einstieg und Ausstieg sowie Gewinn und Verlust rein. Sondern auch: Was waren Deine Gedanken vor dem Trade, währenddessen und danach und am besten noch ein kleines Bild. Ich hätte hier auch eine Vorlage für Dich.

7. Halte das Daytrading simpel

Es gibt für das Daytrading unheimlich viele verschiedene Tools und Indikatoren. Diese können am Anfang oftmals erschlagend wirken. Das Wichtigste ist es, dass Du alles so simpel wie möglich hältst. Ich zum Beispiel achte auf einen Trend und auch Unterstützungszonen und Widerstände. Das ist sehr simpel und für mich sehr effektiv.

Wichtig:

Es gibt nicht den einen Weg, der richtig ist oder die eine Charttechnik. Das bleibt alles Dir überlassen und ist sehr individuell. Und weniger ist oft mehr, zählt auch in der Charttechnik.

8. Der Top-Down-Ansatz

Als Daytrader darfst Du Dich nicht nur auf die kurzfristigen Zeitintervalle fokussieren, sondern solltest immer das große Bild im Blick haben. Auch wenn wir als Scalper auf dem Minuten-Chart unterwegs sind, ist es wichtig zu wissen, welche übergeordnete Struktur der Markt hat. Dieses Vorgehen wird als Top-Down-Ansatz bezeichnet. Das heißt, Du gehst bei Deiner Analyse vom Tageschart bis in den Minuten-Chart.

Wichtig:

Das Ganze hilft Dir im kleinen Timeframe einfach, eine stabilere Bewegung zu erkennen. Ist der Chart im großen Bild aufwärtsgerichtet, dann ist die Wahrscheinlichkeit im kleinen Chart auch größer, eine Aufwärtsbewegung zu erwischen, die weiter läuft und „stabil“ ist.

9. Emotionale Kontrolle und Disziplin im Daytrading

Das sind in meinen Augen zwei der wichtigsten Punkte für uns Daytrader. Geduld ist eine Tugend und diese benötigt jeder Trader. Das Ganze ist eben nichts, was Du sofort lernst und hat einiges mit Warten zu tun. Um das Ganze zu erlernen, benötigst Du einige Jahre. Zuerst die Grundlagen und dann das Üben und ständige Verbessern.

Auch wenn Du das geschafft hast, wartest Du im Markt auf Deine Setups und dann sind auch Disziplin und Geduld gefragt. Die meisten denken, im Trading seien immer Positionen offen, aber das ist der seltenste Fall. Oftmals ist es analysieren und warten auf die Idee. Aus diesem Grund benötigst Du auch eine Strategie, um genau zu definieren, wann Du einsteigst und wann Du abwarten solltest.

Wichtig:

Doch es ist nicht nur die Geduld, sondern auch die emotionale Stabilität. Verluste gehören im Daytrading dazu und mit diesen muss man umgehen können. Das ist anfangs leicht gesagt, bei einer Verlustserie sieht das im Kopf dann anders aus. Hier heißt es dann: cool bleiben und erst einmal weg vom Bildschirm.

10. Der richtige Broker für das Daytrading

Der letzte und auch wichtige Punkt ist der richtige Broker für uns Daytrader. Jeder Broker ist anders und so auch die Angebote von Brokern. Die Unterschiede erstrecken sich in den handelbaren Produkten und auch den Handelskonditionen. Meist ist ein Broker auf einen Anbieter spezialisiert.

Es gibt hier Aktien- und ETF-Broker und auch Futures-Broker, CFD-Broker und Forex-Broker. Diese haben meist alle ein sehr breites Produktspektrum in ihren Hauptanlageklassen, aber dafür ein überschaubares Angebot in anderen Asset-Klassen. Ein sehr guter Broker, was vor allem den DAX betrifft, ist VS-Markets.

Vorschau: XTB Plattformen & Konten

  • XTB Startseite

Wo kann ich Daytrading lernen?

Das Wissen dazu findest Du überall kostenlos, wie auch hier auf meiner Website und meinem YouTube-Kanal. Am besten jedoch lernst Du es in der Praxis. Nutze für die Praxis am Anfang das Demokonto. Bei weiteren Fragen kannst Du mir jederzeit schreiben und Dich auch in meine Trading-Sessions einklinken, in denen Du alle Fragen stellen kannst und auch mir über die Schulter schauen kannst.

FAQ – Daytrader werden

Gibt es eine klassische Daytrading-Ausbildung?

Nein, eine klassische und offiziell anerkannte Ausbildung zum Daytrader gibt es nicht. Daytrading lernst Du vor allem durch Fachwissen, Übung, Demokonto, Backtesting und praktische Erfahrung.

Wie lange dauert es, Daytrading zu lernen?

Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Realistisch solltest Du eher mit mehreren Jahren rechnen, bis Du eine solide Basis, eine eigene Strategie und genügend Erfahrung aufgebaut hast.

Warum ist ein Demokonto am Anfang sinnvoll?

Ein Demokonto hilft Dir, erste Erfahrungen zu sammeln, ohne echtes Geld zu riskieren. Du kannst dort Deine Strategie testen und Fehler machen, ohne direkt Kapital zu verlieren.

Was sollte man lernen, bevor man mit Daytrading startet?

Wichtig sind Grundlagen zur Börse, technische Analyse, Risikomanagement, Handelsprodukte, Broker, Stop-Loss, Positionsgröße und Marktstruktur.

Warum ist emotionale Kontrolle im Daytrading so wichtig?

Emotionen können zu impulsiven Entscheidungen, Overtrading oder Revenge-Trading führen. Deshalb sind Geduld, Disziplin und klare Regeln im Daytrading besonders wichtig.

Konrad Speckmaier
Konrad Speckmaier
Trading-Experte und Co-Founder von Marathoni
Konrad handelt täglich an der Börse und setzt sich intensiv mit diesem Thema auseinander. Sein Fokus liegt auf dem kurzfristigen Handel, bei dem er eine sehr einfache Strategie verfolgt.
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